Steueroase

 

Leseprobe

Auszug aus dem Buch "Die Geldlawine". Im Text erwähnte Nummerierungen beziehen sich auf andere Kapitel des Buches. Die nachfolgenden Zwischenüberschriften wurden nachträglich eingefügt, um das Lesen am Bildschim zu erleichtern. Links wurden ebenfalls nachträglich eingefügt, um zu Quelltexten zu gelangen.

Übersicht:

7.2.: Die EU - Ballast oder Chance?


Die Geldlawine ist zwar mit 2 Ausnahmen weitestgehend EU-kompatibel. Die beiden Ausnahmen (Abschaffung der Gewinnbesteuerung lt. 3.2. und das Bandbreitenmodell lt. 3.4.) wirken jedoch zerstörerisch auf den Rest der EU – sofern die EU ihr altes System weiterführt. Und damit ist zu Beginn zu rechnen.

Worin liegt die Zerstörungskraft der Geldlawine? Einerseits werden nach und nach sämtliche multinationalen Unternehmen, die Gewinnsteuern sparen wollen (also alle), ihre Zentralen bzw. Holdings in die Steueroase Deutschland verlagern. Damit entfallen in den ursprünglichen Heimatländern sowohl gewaltige Summen Steuereinnahmen als auch große Mengen gut bezahlter Jobs. Die 15 Länder der „alten“ EU haben zwei Möglichkeiten.
Entweder sie kopieren das deutsche System (was ausdrücklich erwünscht ist), oder sie stemmen sich dagegen - was zunächst zu erwarten ist, da auch diese Länder von Problemgruppen (1.2.) beherrscht werden.

Vollkommen vorhersehbar ist die zu erwartende Reaktion der 10 osteuropäischen EU-Länder. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, uns Produkte gleicher Qualität zu erheblich niedrigeren Preisen zu verkaufen. Mit dem Bandbreitenmodell (3.4.) entzieht man dem osteuropäischen Geschäftsmodell die Existenzgrundlage, weil Produktionen und Arbeitsplätze in großen Mengen nach Deutschland zurückverlagert werden. Der Selbsterhaltungstrieb zwingt die osteuropäischen EU-Länder, so massiv wie möglich gegen deutsche bzw. westeuropäische Interessen zu kämpfen. Es besteht also nicht die geringste Chance, das Bandbreitenmodell EU-weit durchzusetzen.

Das bedeutet: Wenn der deutsche Wähler ein Arbeitnehmer-Schlaraffenland will (2.3., 3.4.5.), in Kaufkraft baden und Altersarmut verhindern möchte (Tabelle 4.6.2.), muß er bereit sein, zur Not einen Preis zu zahlen. Dieser Preis ist im Extremfall der Austritt aus der EU. Wenn sich die EU Deutschlands Rettung in den Weg stellen sollte, hat Deutschland keine andere Wahl, als seine Beziehungen zu den anderen EU-Ländern künftig freier zu reorganisieren. Für eine Zeitverschwendung durch endlose Kompromissverhandlungen besteht kein Grund (siehe Türkei-Beitritt). Der Rückhalt der EU bei seinen Bürgern ist ohnehin auf ein blamables Maß gesunken (Umfrage der EU-Kommission im Dezember 2003: nur noch 48% der Bundesbürger befürworten die EU-Mitgliedschaft), und mit jeder weiteren Desillusionierung und jeder weiteren arbeitnehmerfeindlichen Politik („Dienstleistungsrichtlinie“) stürzt die Zustimmung weiter ab. Damit ist ein EU-Austritt mehrheitsfähig und absolut wahlkampftauglich. Wer das (nach der Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden) unterschätzt, hat die Situation nicht verstanden.


Was wäre die EU ohne Deutschland?


Was wäre Deutschland ohne EU? Und - dieser Gedankengang macht richtig Spaß - was wäre die EU ohne Deutschland?

Falls Deutschland aus der EU austritt, hätten wir die gleichen Beziehungen zu Frankreich, England & Co., wie sie die USA, Kanada, Japan, China, die Schweiz und der Rest der Welt haben.

Für wen wäre das ein Problem? Für die deutsche Industrie? Was ist dran am Argument der EU-Dogmatiker, Deutschland wäre ohne EU nicht mehr wettbewerbsfähig? Würden Coca Cola in England oder Heineken in Holland etwa bei der deutschen Krones AG ihre Bestellungen für Flaschenabfüllanlagen stornieren, weil die Abfüllanlagen nicht aus der EU stammen? Würde die New York Times ihre Druckmaschinen nicht mehr bei der Heidelber-ger Druck AG bestellen? Würden französische Mercedes-Kunden auf Toyotas umsteigen, weil Daimler nicht aus der EU stammt?

Kein Vorstand, kein Einkäufer und kein Konsument interessiert sich für die Herkunftsländer von Produkten. Was zählt, sind Preis, Qualität und Return-on-Investment.


Fakten


Die deutsche Industrie gewinnt massive Wettbewerbsvorteile (u.a. 2.2.1., 2.2.2., 2.2.4., 3.2.5.5.) hinzu und kann (ebenso mühelos wie z.B. Amerikaner, Chinesen und Japaner) weiterhin ihre heutigen Produkte in die EU verkaufen. Realistisch betrachtet besteht kein Zusammenhang zwischen Deutschlands Wohlstandsniveau und der Mitgliedschaft in der EU. Und wenn, dann ist der Zusammenhang sogar negativ, d.h. Deutschland hat seinen Wohlstand nicht aufgrund, sondern trotz EU-Mitgliedschaft erreicht. In der EU rutschte Deutschland lt. EU-Kommission seit 1992 von Platz 3 auf Platz 11 beim Pro-Kopf-Einkommen ab. Ohne EU-Mitgliedschaft kann Deutschland:

EU, Nato, Kalter Krieg und Frieden in Europa


Wie relevant ist das Argument, die EU habe seit dem 2. Weltkrieg den Frieden in Europa gesichert? Wann bestand denn innerhalb Westeuropas Kriegsgefahr?

Den Frieden in Europa hat nicht die EU, sondern die Nato gesichert. Es war vor allem die Angst vor dem amerikanisch-sowjetischen Atomkrieg, der Westeuropa zusammenschweißte. Im kalten Krieg war die EU nichts als eine bedeutungslose kleine Zollunion. Wenn es um aktuelle echte Bedrohungen für den Weltfrieden geht (siehe Sudan, Kongo, Iran, Nordkorea, etc.), schaut die EU den Völkermorden und Volksgeiselnahmen tatenlos zu.


Instrumentalisierte Schuldkomplexe und die Schande der Menschheit


Im Zusammenhang mit Frieden und Bedrohungsszenarien läuft auch der von Außenpolitikern leidenschaftlich zelebrierte deutsche Schuldkomplex ins Leere.

Aus persönlichen Gesprächen (mit ideologisch unbelasteten demokratischen Bürgern) und Medienberichten ist zu schließen, daß das deutsche Volk endlich als ein Volk wie alle anderen behandelt werden möchte. Deutschlands Bürger empfinden die Verbrechen des 3. Reichs als Schande der gesamten Menschheit - ebenso wie die ständig unterlassene Hilfeleistung aller Nationen bei zahllosen weltweiten Völkermorden und Hungersnöten mit jährlich rd. 5 Mio. toten Kindern unter 5 Jahren  Die Welt beweist täglich, daß sie nichts aus dem massenhaften Tod Unschuldiger gelernt hat.

In Deutschland lehnen mehr Bürger den Faschismus ab als in fast jedem anderen Land der Erde. Faschisten gibt es zu jeder Zeit in jedem Land. Fast alle Radikal-Wähler wählen lediglich aus Frust extrem – ohne wirklich dahinter zu stehen. Wer behauptet, der „deutschen Gefahr“ müsse durch Unterordnung unter die EU begegnet werden, beweist 6 Jahrzehnte nach 1945 seinen Realitätsverlust und beleidigt die Ehre des deutschen Volkes.


EU ja - aber so nicht


Je begeisterter die Anhänger der europäischen Idee ursprünglich waren, desto enttäuschter sind sie über die realistische Betrachtung dessen, was die etablierten Parteien der Mitgliedsländer daraus gemacht haben. Eine Aufzählung der Fehlkonstruktionen, Nachteile und Skandale innerhalb der EU würde nicht nur Bücher, son-dern Bibliotheken füllen und kann aus Platzgründen an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden.

Kurz gesagt: EU ja – aber so nicht.

Als leidenschaftlicher Befürworter einer kompatiblen, funktionierenden und regierbaren Staatengemeinschaft muß man leider feststellen, daß wir dieses Ziel nicht mehr verfolgen, seit sich Europas Außenpolitiker entschlossen, Größe über Qualität zu stellen. Seit der leichtsinnigen Osterweiterung und der Etablierung eines gigantischen innereuropäischen Lohnkostengefälles, das sogar noch mit jährlich 150 Mrd. € Umverteilung von West nach Ost subventioniert werden soll, fragen sich die Wähler, warum sie ihre Arbeitsplatzverluste auch noch mit ihren eigenen Steuergeldern finanzieren müssen. Die Osterweiterung ist der Tropfen, der das Faß mit EU-Frust zum überlaufen bringen wird. Deutschland braucht also die EU so dringend wie Rettungswesten aus Beton.

Die EU kann man noch viel entspannter sehen, wenn man die Situation umgekehrt betrachtet. Ohne Deutschland implodiert die EU. Mit Deutschland gingen die stärkste Wirtschaft, der größte Markt, der größte Zahler, die meisten Einwohner und das geographische Herz verloren. Ohne Deutschland ist die EU tot. Unsere Verhandlungsposition ist also exzellent. Das gibt uns die Möglichkeit, Sanktionen und Drohungen der EU mit dem gleichen müden Lächeln zu begegnen, das die Briten genüsslich zelebrieren, um ihre Privilegien zu bewahren. Was könnte die EU gegen Deutschland unternehmen? Uns aus der EU ausschließen und ihr eigenes Ende besiegeln? Ausschluß aus der Währungsunion? Phantastisch. Wir führen umgehend die D-Mark wieder ein und steuern unsere Währung selbst. Schade, aber insgesamt nicht nachteilig. Die EU ist ein zahnloser Tiger und keine heilige Kuh.

Aber das ist nur der ungünstigste Fall. Viel wahrscheinlicher ist, daß die Wähler in den anderen westlichen EU-Staaten ihre Regierungen zwingen, Deutschlands Lösung zu kopieren. Franzosen, Engländer, Holländer, Belgier, Spanier, Italiener, Österreicher etc. haben die gleichen Probleme wie wir, und werden sagen: „Ja, auch wir wollen sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze, hohe Renten, ein funktionierendes und bezahlbares Gesundheitssystem, einen schuldenfreien Staatshaushalt, etc.“. Jede Nation der westlichen EU kann nur gewinnen, wenn sie die Geldlawine installiert. Die osteuropäischen Länder sind jedoch mangels Kaufkraft eine nachrangige Adresse für Industrie und Handel, und haben deshalb ein Problem.
Mit Intelligenz, Effizienz und Gerechtigkeit könnte die EU um Lichtjahre mehr leisten als heute. Ihr Scheitern und das öffentliche Bewußtwerden ihrer Fehlkonstruktion eröffnen die Chance eines Neuaufbaus mit unglaublichen Möglichkeiten.

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