Leseprobe
Auszug
aus dem Buch "Die Geldlawine". Im Text erwähnte
Nummerierungen beziehen sich auf andere Kapitel des Buches. Die
ggf. nachfolgenden Zwischenüberschriften wurden
nachträglich eingefügt, um das Lesen am Bildschim zu
erleichtern. Links wurden ebenfalls nachträglich
eingefügt.
Statistiken könnten so nützlich sein, wenn sie nicht dauernd
manipuliert würden. Die Mutter aller Statistikmärchen ist
zweifellos die Arbeitslosenquote (2.1.1.). Je mehr manipuliert wird,
desto offensichtlicher wird die Einflußnahme der etablierten
Parteien, und desto irrelevanter wird die ganze Statistik.
Der heilige Gral aller Statistiken ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das die Summe aller in einem Land erbrachten Wirtschaftsleistungen bewerten und international vergleichbar machen soll.
Das Statistische Bundesamt hat auf 387 Seiten festgelegt, wie das deutsche BIP zu berechnen ist (Fachserie 18, Reihe S.22, „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Methoden und Grundlagen“). Daraus geht hervor, daß die zugrunde liegenden Daten zu einem erheblichen Teil lediglich aus Stichproben stammen. Die Qualität dieser Daten leidet unter der geringen Motivation der (zu statistischen Meldungen gezwungenen) Unternehmen, denen völlig egal ist, ob die gemeldeten Daten stimmen. Hauptsache, es geht schnell. Betriebe unter 20 Mitarbeitern werden überhaupt nicht erfaßt, sondern geschätzt. Die Berechnung von Umsätzen anhand von Umsatzsteuerdaten geschieht ohne die exakte Kenntnis umsatzsteuerfreier Inlandsleistungen (z.B. Gesundheitswesen) und Exporte.
Das
BIP wird sowohl von der Entstehungs- als auch von der Verwendungsseite
her ermittelt. Wie bei der klassischen doppelten Buchführung
müßten bei einem korrekten Ergebnis beide Seiten exakt die
gleiche Endsumme ausweisen. Das Statistische Bundesamt stellt jedoch
zwischen Entstehungs- und Verwendungs-seite eine Differenz von 0,83%
fest. Wenn man bedenkt, daß die Experten für 2005 eine
BIP-Steigerung (= „Wirtschaftswachstum“) von 0,6%
schätzten, folgt daraus, daß das Wachstum unterhalb der
Fehlerquote liegt. Zählt man alle Fehlerquellen zusammen, kommt
man sogar gut und gern auf eine Fehlerquote von über 3%. Damit ist
Deutschlands tatsächliches BIP-Wachstum reichlich unklar.
Das
BIP ist also keine exakte Berechnung, sondern eine passend gemachte
bestmögliche Schätzung, die auf Hochrechnungen und
Extrapolationen (zeitliche Fortschreibung von Trends) basiert. Das
amerikanische „Department of Commerce“ berechnet das
US-„Gross Domestic Product“ (= BIP) jedoch nach anderen
Methoden bzw. auf einer anderen Qualität der Datenbasis.
Das
wahre BIP ist also in Definitionsunterschieden,
Bewertungsspielräumen und Schulden verloren gegangen. Weltweit
vergleichbar ist es nicht. Lediglich auf EU-Ebene werden die
Definitionen vereinheitlicht – incl. der Schwächen in der
Qualität der Datenbasis.
Daß BIP die Wirtschaftskraft von Nationen nicht exakt genug abbilden können, um interna-
tional
vergleichbar zu sein, zeigen z.B. die BIP Deutschlands (2,108 Billionen
€) und der USA (11,188 Billionen €) 2002. Demnach wäre
das US-BIP 5,3 x so groß wie das deutsche. Wenn man diese Zahl
mit der Bevölkerungszahl gewichtet (82,5 Mio. in D zu 288,5 Mio.
in USA), müsste das pro-Kopf-BIP in den USA bei 38.780 € oder
um 52% höher liegen als in Deutschland (25.552 €). Wer soll
das denn glauben? Bei 50 Mio. Amerikanern unterhalb der Armutsgrenze,
jährlich rd. einer halben Billion $ Haushaltsdefizit (besteht zu
80% aus unpro-duktivem militärischem Konsum), usw.? Deutschlands
Wirtschaft erzielt im Gegensatz zu den USA einen stattlichen
Exportüberschuß, exportiert mit nur 28% der
US-Bevölkerung mehr als die USA – und das pro-Kopf-BIP der
USA soll um 52% höher liegen? Das ist unrealistisch und auch nicht
durch den €/$-Kurs zu erklären. (Zahlenquelle: Jahrbuch 2004,
Harenberg-Verlag).
Wirklich wichtig für den Staat und seine Bürger sind vor allem drei Werte:
- Umsatzsumme der Unternehmen
- Lohnsumme der Arbeitnehmer incl. Selbständigen
- 3. Steuereinnahmen
Das
Konzept dieses Buches ist darauf ausgerichtet, diese drei
Größen in die Höhe schießen zu lassen.
Erfreulicherweise ist der Geldüberschuß des Steuersystems
(3.6.1., 3.6.2.) so gigantisch, daß er große
Spielräume toleriert und von nichts aufgehalten werden kann
– außer durch Ignoranz.
Das wichtigste Fazit des BIP ist dessen Bedeutungslosigkeit für unser Leben.
Menschen
interessieren sich für ihr Nettogehalt, Chancen am Arbeitsmarkt,
Qualität und Kosten der Gesundheitsversorgung, die Höhe der
Nettorente, die Qualität der Bildung, die Höhe der
Bruttomiete etc. Das BIP mißt die wichtigsten Faktoren nicht bzw.
vollkommen unzureichend oder bestenfalls unscharf. Die Steigerung des
BIP und dessen internationaler Vergleich sind also ziemlich irrelevant.
