Steueroase

 

Leseprobe

Auszug aus dem Buch "Die Geldlawine". Im Text erwähnte Nummerierungen beziehen sich auf andere Kapitel des Buches. Die ggf. nachfolgenden Zwischenüberschriften wurden nachträglich eingefügt, um das Lesen am Bildschim zu erleichtern. Links wurden ebenfalls nachträglich eingefügt. 


1.3.8.: BIP im Nebel


Statistiken könnten so nützlich sein, wenn sie nicht dauernd manipuliert würden. Die Mutter aller Statistikmärchen ist zweifellos die Arbeitslosenquote (2.1.1.). Je mehr manipuliert wird, desto offensichtlicher wird die Einflußnahme der etablierten Parteien, und desto irrelevanter wird die ganze Statistik.


Der heilige Gral aller Statistiken ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das die Summe aller in einem Land erbrachten Wirtschaftsleistungen bewerten und international vergleichbar machen soll.


Das Statistische Bundesamt hat auf 387 Seiten festgelegt, wie das deutsche BIP zu berechnen ist (Fachserie 18, Reihe S.22, „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Methoden und Grundlagen“). Daraus geht hervor, daß die zugrunde liegenden Daten zu einem erheblichen Teil lediglich aus Stichproben stammen. Die Qualität dieser Daten leidet unter der geringen Motivation der (zu statistischen Meldungen gezwungenen) Unternehmen, denen völlig egal ist, ob die gemeldeten Daten stimmen. Hauptsache, es geht schnell. Betriebe unter 20 Mitarbeitern werden überhaupt nicht erfaßt, sondern geschätzt. Die Berechnung von Umsätzen anhand von Umsatzsteuerdaten geschieht ohne die exakte Kenntnis umsatzsteuerfreier Inlandsleistungen (z.B. Gesundheitswesen) und Exporte.


Das BIP wird sowohl von der Entstehungs- als auch von der Verwendungsseite her ermittelt. Wie bei der klassischen doppelten Buchführung müßten bei einem korrekten Ergebnis beide Seiten exakt die gleiche Endsumme ausweisen. Das Statistische Bundesamt stellt jedoch zwischen Entstehungs- und Verwendungs-seite eine Differenz von 0,83% fest. Wenn man bedenkt, daß die Experten für 2005 eine BIP-Steigerung (= „Wirtschaftswachstum“) von 0,6% schätzten, folgt daraus, daß das Wachstum unterhalb der Fehlerquote liegt. Zählt man alle Fehlerquellen zusammen, kommt man sogar gut und gern auf eine Fehlerquote von über 3%. Damit ist Deutschlands tatsächliches BIP-Wachstum reichlich unklar.

Das BIP ist also keine exakte Berechnung, sondern eine passend gemachte bestmögliche Schätzung, die auf Hochrechnungen und Extrapolationen (zeitliche Fortschreibung von Trends) basiert. Das amerikanische „Department of Commerce“ berechnet das US-„Gross Domestic Product“ (= BIP) jedoch nach anderen Methoden bzw. auf einer anderen Qualität der Datenbasis.

Das wahre BIP ist also in Definitionsunterschieden, Bewertungsspielräumen und Schulden verloren gegangen. Weltweit vergleichbar ist es nicht. Lediglich auf EU-Ebene werden die Definitionen vereinheitlicht – incl. der Schwächen in der Qualität der Datenbasis. 

Daß BIP die Wirtschaftskraft von Nationen nicht exakt genug abbilden können, um interna-

tional vergleichbar zu sein, zeigen z.B. die BIP Deutschlands (2,108 Billionen €) und der USA (11,188 Billionen €) 2002. Demnach wäre das US-BIP 5,3 x so groß wie das deutsche. Wenn man diese Zahl mit der Bevölkerungszahl gewichtet (82,5 Mio. in D zu 288,5 Mio. in USA), müsste das pro-Kopf-BIP in den USA bei 38.780 € oder um 52% höher liegen als in Deutschland (25.552 €). Wer soll das denn glauben? Bei 50 Mio. Amerikanern unterhalb der Armutsgrenze, jährlich rd. einer halben Billion $ Haushaltsdefizit (besteht zu 80% aus unpro-duktivem militärischem Konsum), usw.? Deutschlands Wirtschaft erzielt im Gegensatz zu den USA einen stattlichen Exportüberschuß, exportiert mit nur 28% der US-Bevölkerung mehr als die USA – und das pro-Kopf-BIP der USA soll um 52% höher liegen? Das ist unrealistisch und auch nicht durch den €/$-Kurs zu erklären. (Zahlenquelle: Jahrbuch 2004, Harenberg-Verlag).


Wirklich wichtig für den Staat und seine Bürger sind vor allem drei Werte:

  1. Umsatzsumme der Unternehmen
  2. Lohnsumme der Arbeitnehmer incl. Selbständigen
  3. 3. Steuereinnahmen


Das Konzept dieses Buches ist darauf ausgerichtet, diese drei Größen in die Höhe schießen zu lassen. Erfreulicherweise ist der Geldüberschuß des Steuersystems (3.6.1., 3.6.2.) so gigantisch, daß er große Spielräume toleriert und von nichts aufgehalten werden kann – außer durch Ignoranz.

Das wichtigste Fazit des BIP ist dessen Bedeutungslosigkeit für unser Leben.

Menschen interessieren sich für ihr Nettogehalt, Chancen am Arbeitsmarkt, Qualität und Kosten der Gesundheitsversorgung, die Höhe der Nettorente, die Qualität der Bildung, die Höhe der Bruttomiete etc. Das BIP mißt die wichtigsten Faktoren nicht bzw. vollkommen unzureichend oder bestenfalls unscharf. Die Steigerung des BIP und dessen internationaler Vergleich sind also ziemlich irrelevant.


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