Leseprobe
Auszug
aus dem Buch "Die Geldlawine". Im Text erwähnte
Nummerierungen beziehen sich auf andere Kapitel des Buches. Die
ggf. nachfolgenden Zwischenüberschriften wurden
nachträglich eingefügt, um das Lesen am Bildschim zu
erleichtern. Links wurden ebenfalls nachträglich
eingefügt.
1: Geiseln der
Froschköche (Desillusionierung)
1.1.:
Naivität und die Reise nach Jerusalem
Rd. 5 Mio. offizielle Arbeitslose und weitere (nicht
mitgezählte)
10 Mio. Arbeitsuchende (siehe 2.1.1.) su-chen einen Ausweg aus der
Armutsfalle, weil man mit Billigjobs keine Familie ernähren
kann.
Und finden manche von ihnen einen „echten“ Job,
nehmen sie
ihn im nationalen/globalen Nullsummenspiel jemand anderem weg. Der
Kampf um Arbeitsplätze ist wie das Kinderspiel
„Reise nach
Jerusalem“. Mit dem Unterschied, daß die wenigen
Sieger
immer mehr Ausgeschiedene finanzieren müssen. Die
„Lösungen“ der Ex-perten
beschränken sich im
Wesentlichen auf immer niedrigere Löhne und/oder noch mehr
Schulden. Egal, in welchen politischen Bereich man sich vertieft
– informierte Wähler sind restlos desillusioniert
über
die Kompetenz und die Motive der Parteien (7.4., 8.1.).
Das Fatale am Niedergang unserer Systeme ist nicht nur der sinnlose
Versuch, Fehlkonstruktionen durch Kosmetik zu retten. Fatal ist auch,
daß der Niedergang in Zeitlupe abläuft, so
daß nur die
Wenigsten erkennen können/wollen, daß die
gegenwärtige
Krise (Arbeitsmarkt, Gesundheitssystem, Rentensystem, Bildungs-system,
Steuersystem, Finanzsystem, politisches System, Geburtenrate, etc.)
erst ein Vorausläufer einer Ab-wärtsentwicklung ist,
die in
den nächsten Jahrzehnten existenzgefährdende
Ausmaße
annehmen wird. Da es nicht stets gleichmäßig
abwärts
gehen kann, bilden sich immer wieder Wellen und Stufen, in denen es
scheinbar kurz wieder aufwärts geht oder sich die Entwicklung
stabilisiert. Langfristig geht es jedoch unaufhaltsam abwärts (mehr
dazu).
Die Regierungsparteien nutzen jeden noch so kleinen zwischenzeitlichen
Aufwärtstrend als angeblichen Beweis, daß ihre
Politik
funktioniert. Und bei jeder Treppenstufe heißt es, die Lage
habe
sich stabilisiert.
Warum
ist das Zeitlupentempo so gefährlich? Ein Blick ins Kochbuch
soll
es verdeutlichen: Wirft man einen Frosch in einen Topf mit
heißem
Wasser, springt er umgehend wieder heraus. Setzt man den gleichen
Frosch aber in wohltemperiertes Wasser und erhöht nur langsam
die
Temperatur, fühlt er sich wohl, genießt die
Wärme,
macht dann schlapp und läßt sich kochen, bis er tot
ist.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Während der Frosch keine Ahnung
hat,
wie ihm geschieht, sind wir nur zu naiv bzw. zu träge, um
auszusteigen und die Froschköche zu entsorgen. Tragikomisch
ist
dabei der Umstand, daß wir nur als vereinte Mehrheit
hand-lungsfähig sind und auch die intelligenten
Frösche mit
der gleichgültigen Masse kochen müssen. Lediglich
reiche
Frösche haben es besser und ziehen in Steueroasen um.
Z.B. die wachsende Armut in Deutschland wird von den
Froschköchen
durch den Vergleich mit der Armut der 3. Welt relativiert. Eine solche
Relativierung offenbart, wie bescheiden die Ziele sind, an denen die
Froschköche die Gesellschaft ausrichten wollen. Die
Froschköche erzählen den unteren beiden Dritteln der
Gesellschaft, sie müssten den Gürtel enger schnallen.
Dummerweise kann man den Gürtel überhaupt nicht so
eng
schnallen, als das irgendeines unserer Probleme dadurch auch nur
ansatzweise gelöst würde. Im Gegenteil. Die
Froschköche
ändern nicht einmal die Rezepte, sondern erhöhen die
Temperatur im Kochtopf und nennen das
„Systemwechsel“. Wenn
ihre Reformen nicht wirken, sind eben weitere Reformen nötig -
oder anders ausgedrückt: Verbrannte Suppen brauchen nach
Ansicht
der Froschköche noch mehr Hitze. Ein Klassiker der
Froschkoch-Methoden ist das Spiel mit der Hoffnung auf die Zukunft. In
einer nicht genau datierten Zukunft (nach dem nächsten
Wahltermin)
wird angeblich alles besser, weil die „Reformen“
angeblich
erst danach wirken. Und (um eine bekanntere Metapher zu verwenden) wie
ein Esel mit der unerreichbaren Möhre vorm Maul laufen wir
Bürger/Wähler brav weiter.
Froschköche findet man vor allem in den Spitzen der
etablierten
Parteien. Aber auch viele Journalisten, Wirtschaftsführer und
so
genannte „Experten“ gehören dazu. Weil sie
selbst
keine Visionen besitzen, attackieren sie Visionäre gern mit
dem
Zitat: „Wer Visionen hat, braucht einen Arzt“. Ist
die
große Vision, die alle wesentlichen Probleme unserer Nation
löst, also unmöglich? Nein. Hier ist sie, und nach
diesem
Buch werden Sie verstehen, warum die Lösung nur von jemandem
kommen kann, der nicht „dazugehört“. Aus
Gründen
der Überschaubarkeit finden Sie die gesellschaftlichen und
globalen bzw. außenpolitischen Themen in weiteren
Büchern
(siehe Vorwort). Hier geht es zunächst
„nur“ um
unseren Arbeitsmarkt und unser Wirtschafts-, Steuer-, Renten-, Finanz-,
Gesundheits- und politisches System. Spätestens nach diesem
Buch
wer-den Sie hoffentlich zustimmen, daß alle diese Systeme
größtenteils unreformierbare Fehlkonstruktionen
sind. Sie
werden sehen, daß Parteien und „Experten“
nicht Teil
der Lösung, sondern Teil des Problems sind. Der Weg der
etablierten Parteien führt direkt in die Massenarmut.
„Schwarzmalerei, Katastrophenfolklore,
Zweckpessimismus!“
schreien an dieser Stelle die Froschköche. Hüten wir
uns vor
jenen, die Lösungen sabotieren. Wer unsere existentiellen
Probleme
treffend analysiert (z.B. Gabor Steingart: „Deutschland
–
Der Abstieg eines Superstars“, etc.), läuft ebenso
Gefahr,
als Schwarzmaler tituliert zu werden, wie die Millionen
Bürger,
die entweder vom Abstieg in die Armut bedroht oder bereits dort
angekommen sind. Lobenswert sind die Versuche, Deutschlands
Qualitäten ins Bewußtsein zu rufen, durchaus. In
sehr vielen
wichtigen Dingen ist Deutschland Weltspitze. Warum haben wir dann eine
solche Krise und bekommen Arbeitslosigkeit, Staatsschulden, Armut etc.
nicht in den Griff? Warum nützt Optimismus nicht das Mindeste?
Weil sich unsere Qualitäten durch ein fehlkonstruiertes
Steuer-
und Wirt-schaftssystem nicht entfalten können. Die Lage ist
weitaus bedrohlicher als es die täglichen Gruselmeldungen aus
den
Medien vermitteln – und in Anbetracht der
„Rezepte“
sowohl unserer Regierung als auch der Opposition und
„Experten“ ist die Lage sogar hoffnungslos, es sei
denn… daß eine Aufwärtsspirale in Gang
gesetzt wird,
die das Land mit Geld überschwemmt. Statt sich im Dickicht
irrelevanter Details zu verlieren, sollte man zehntausend Schritte
zurücktreten, das Gesamtbild betrachten und
grundsätzlich
fragen:
1.
Was wollen wir?
2.
Was können wir?
3.
Was haben wir?
4.
Wie müssen Systeme aussehen, die unseren Zielen und
Möglichkeiten entsprechen?
Wir wollen das Gegenteil dessen, was die etablierten Parteien und
„Experten“ predigen. Wir wollen keine
ohnmächtigen
Objekte sein, die sich den Gesetzen des Marktes zu unterwerfen haben.
Wir wollen z.B. Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt genau umdrehen.
Wir wollen uns gut bezahlte Arbeitsplätze aussuchen
können,
hohe Nettolöhne, sichere und hohe Renten, ein gutes
Gesundheitssystem, endlich wirklich gute und richtige Bildung,
ernsthaften Verbraucherschutz, endlich ein gerechtes Justizsystem, so
wenig Bürokratie wie möglich, funktionierende
Finanzmärkte, echte Solidargemeinschaften, saubere Energie,
und,
und, und. Raus aus der Abwärtsspirale, hinein in eine
Aufwärtsspirale. Ein Wirtschaftssystem, das uns Wohlstand
sichert,
selbst wenn es (im ungünstigsten Fall) weder wächst,
noch
innovativ ist, noch Exportüberschüsse erzielt,
sondern
einfach nur ein konstant hohes Niveau hält. Eine
Volkswirtschaft,
die zur Not sogar ohne Außenhandel komfortabel
überleben
könnte, wenn eine allzu entfesselte Weltwirtschaft es
unumgänglich machte. Der Wunschzettel ist zwar lang, aber mit
bereits vorhandenem Know-how realisierbar.
Deutschland hat (nach den USA) den zweitwichtigsten Absatzmarkt der
Welt (Japan ist uninteressant, weil es sich protektionistisch
abschottet, China versorgt sich zunehmend selbst, siehe 1.3.12.).
Leider haben die etablierten Parteien und Experten nicht die geringste
Idee, wie man den Nutzen aus Deutschlands Binnenmarkt ziehen kann
(3.4., 3.6.). Alle großen Probleme Deutschlands sind
lösbar
– sofern die Wähler denjenigen den Auftrag erteilen,
die
diese Lösungen umsetzen können und wollen (8.2.).
